Mutiert die Vogelgrippe zur "Katzengrippe"?
Panik bei Katzenhalten - Aufruf zum Protest!

Seit bei einer toten Katze auf Rügen das Vogelgrippevirus festgestellt wurde, werden Tierheime in ganz Deutschland - und nicht nur in den gefährdeten Bezirken - mit einer Abgabeflut von Katzen konfrontiert. Nicht selten werden die Tiere nachts einfach über den Zaun geworfen oder nachts im Korb vor dem Tor geparkt. Und nicht nur das: Die Tierheime werden aufgefordert, frei lebende und von ihnen betreute Katzen einzufangen. Auch der Abschuss von frei laufenden und verwilderten Tieren in gefährdeten Gebieten wird bereits öffentlich diskutiert!

Der Panikstimmung unter Katzenbesitzern gilt es mit sachlicher Information und Aufklärung zu begegnen. Der deutsche Tierschutzbund weist auf seiner Homepage auf folgendes hin: "Die grundsätzliche Empfänglichkeit von Katzen für das H5N1-Virus ist seit Jahren bekannt und tritt somit nicht überraschend auf. Eine Ansteckung des Menschen durch infizierte Katzen wurde aber bisher nicht nachgewiesen. Es liegen bislang auch keine Hinweise dafür vor, dies bestätigt auch das Friedrich-Löffler-Institut, dass Katzen bei der Verbreitung der Infektion epidemiologisch irgendeine Rolle spielen – auch nicht aus den Krisengebieten in Südostasien, in denen Mensch und Tier unter hygienisch schwierigeren Bedingungen zusammenleben. Es gibt also bislang keinen vernünftigen Grund, Katzen in Tierheimen abzugeben, frei lebende Katzen einzusperren oder gar frei laufende oder frei lebende Katzen zu bejagen. Es gibt keinen Anlass dafür, sich der Tiere zu entledigen, da von ihnen keine erhöhte Gefahr für den Menschen ausgeht. Mit Verständnis für die Ängste der Tierhalter sollte dies in einem freundlichen Gespräch erörtert und der Tierhalter darin gestärkt werden, seinen Liebling beruhigt wieder mit nach Hause zu nehmen. Grundsätzlich kann das Zusammenleben mit dem Tier wie gewohnt weitergehen.
Viele Besitzer von Freigängern denken mit Schrecken daran, dass sie ihre Tiere vorübergehend im Haus einsperren müssen, sollte in ihrer Gegend ein Fall von Vogelgrippe "amtlich" werden. Sie können sich nicht vorstellen, dass ihr Tier den vielleicht Monate währenden "Gefängnisaufenthalt" akzeptieren könnte und sehen die zerkratzten Möbel und Tapeten und die Protestpfützen auf dem neuen Teppich förmlich vor sich. Da wird sicher der eine oder andere Liebling im Tierheim landen. Um dies zu verhindern, ist rechtzeitige Beratung und Aufklärung anzubieten.

Vom Freigänger zur Wohnungskatze auf Zeit - es ist möglich!
Es ist gar nicht so schwer, die Freigang gewohnte Katze für die Zeit einer amtlich verhängten Ausgangssperre umzugewöhnen. Es verlangt allerdings Konsequenz und einen gewissen - auch zeitlichen - Einsatz von den Besitzern. Wenn das Tier auch noch so lautstark vor der Tür bettelt oder frustriert "die Wände hochgeht", immer ruhig bleiben und nicht nachgeben!
Ablenkung und Zuwendung hilft sehr. Man kann die Wohnung auch etwas "katzenfreundlicher" gestalten und so Möbel und Teppiche schonen, zum Beispiel mit einem Kratzbaum oder Kratzbrettern. Den Kratzbaum bitte nicht in die hinterste Ecke stellen, sondern dort, wo sich die Katze gerne aufhält, z.B. im Wohnzimmer. Schön wäre auch ein Fensterblick vom Kratzbaum aus. Katzbretter, die an die Wand gedübelt werden, eignen sich auch gut für Durchgänge, z.B. den Flur. Dort markieren Katzen gerne ihr Revier. Sollte die Katze ihre Krallen doch am neuen Sofa schärfen wollen, bitte nicht anschreien oder gar schlagen! Die Katze versteht Zorn nicht und bringt ihn schon gar nicht mit ihrer Tat in Verbindung. Wenn sie "auf frischer Tat" erwischt wird, einfach freundlich unterbrechen und vor das Kratzmöbel setzen. Sollte die Katze das Kratzmöbel ablehnen, bitte den Standort überprüfen und vielleicht einen günstigeren ausprobieren.
Wenn das Tier hartnäckig immer wieder ein verbotenes Möbel oder eine Tapetenecke attackiert, so kann man diese kurzzeitig mit Hilfe einer Plastikplane unattraktiv machen und in der Nähe eine Alternative anbieten. Wenn Kratzbäume oder -bretter manchem zu aufwendig sind, sind für die Zeit des Hausarrests Pappkartons eine billige Alternative. Einfach ein paar Kartons in der Wohnung verteilen, die Katze nutzt sie als Kratzmöbel, Markierungspfosten und Kuschelhöhle.
Katzen lieben außerdem die Höhe. Deshalb wäre es schön, wenn sie auf Regalen oder Schränken ein weiches Plätzchen - zum Beispiel ein altes Kissen - vorfänden, von dem herab sie ihre Familie beobachten können. Auch Fensterplätze sind sehr beliebt, also bitte ein paar Blumentöpfe beiseite räumen und ein Handtuch hinlegen oder einen Karton zum Hineinkuscheln anbieten.
Damit die Katze sich nicht langweilt, sollte man täglich eine oder auch zwei Spielrunden anbieten, möglichst immer um die gleiche Tageszeit für 10-15 Minuten. Alle Katzen spielen gerne, der Jagdinstinkt muß nur angesprochen werden. Das geschieht mit einem nicht zu großen Objekt (nicht größer als eine kleine Maus), das sich von ihnen fortbewegt: einfach die Bewegungen eines möglichen Beutetiers nachahmen. Oft genügt es, einen kleinen Fetzen Papier an einer Paketschnur vor der Katze zu schwenken. Zu Anfang dauert es vielleicht etwas, bevor die Ersatzbeute akzeptiert wird, aber mit etwas Geduld klappt es nach einigen Tagen gut und macht Katze und Besitzer Spaß.
Für einen Freigänger, der vielleicht gar kein Katzentoilette im Haus zur Verfügung hatte, ist natürlich die Toilettengewöhnung besonders wichtig! Eine Katze benötigt zwei Katzenklos, beide getrennt und an einem ruhigen Ort aufgestellt. Sind mehrere Katzen in einem Haushalt, sollte man mindestens drei Toiletten anbieten. Hat sich die Katze bisher nie im Haus erleichtert, so hilft es bei der Umgewöhnung, das Katzenstreu in den ersten Tagen mit Erde und Gras zu bedecken. Sollte die Katze sich irgendwo in der Wohnung lösen, bitte alle Spuren sorgfältig wegwischen und die Katze ohne Kommentar in die Katzentoilette setzen. Wenn das Tier eine bestimmte Stelle immer wieder angeht, einfach eines der Katzenklos dorthin stellen.
Zur Fütterung noch ein Hinweis: Sollte die Katze bisher nur Trockenfutter neben der Mäusediät erhalten haben, bitte einmal täglich Nassfutter anbieten. Ebenfalls zu empfehlen ist ein Topf mit Katzengras in der Wohnung.
Ganz wichtig ist es, der Katze einen festen Tagesablauf anzubieten. Das Tier ist zunächst verunsichert und gestresst von den Veränderungen und wird sich um so schneller umgewöhnen, je überschaubarer und geregelter der Tag ist. Feste Zeiten zum Spielen, Schmusen und Füttern geben Sicherheit und reduzieren den Stress ungemein.
Einer noch größeren Herausforderung müssen sich Besitzer von mehreren Freigängerkatzen stellen. Wichtig ist, das genügend Ausweichraum besteht, damit sich die Katzen in der Wohnung aus dem Weg gehen können. Vor allem von Regalen und Schränken oder höheren Kratzbäumen aus kann man lästige Verfolger gut abwehren. Werden genügend Liegeplätze und Versteckmöglichkeiten angeboten, so ist das enge Zusammenleben erträglicher.
Eventuell muß im Einzelfall getrennt gefüttert werden. Sollten die Spannungen zu groß werden und in blutige Revierkämpfe ausarten, können Bachblüten, Pheromone oder eine homöopathische Behandlung helfen. Der Gang zum Tierheim sollte wirklich der allerletzte Ausweg sein. Wer seine Katze als Familienmitglied schätzt, wird diesen unbedingt vermeiden wollen.

Aufruf zum Protest im Namen der Tiere
Immer wieder wird in den Medien von Politikern und anderen Funktionsträgern der mögliche Abschuss von frei laufenden Katzen und anderen Tieren in Krisengebieten diskutiert, als "vorsorgliche" Maßnahme gegen eine Epidemie. Diese Maßnahme ist grausam, unnötig und widerspricht dem Tierschutzgesetz. Auch in Extremsituationen dürfen laut §1 des Tierschutzgesetzes Tieren nicht ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden. Solche Tötungen aber wären unvernünftig und völlig sinnlos. Selbst gesunde Wildvögel in Krisengebieten werden nicht "vorsorglich" getötet, warum dann Katzen?
Versäumnisse von Besitzern, die ihre Tiere beispielsweise in Sperrbezirken frei laufen lassen, dürfen nicht zum Tode der Tiere führen! Die Tiere können nichts dafür und sollten auf Kosten der Besitzer eingefangen und untergebracht werden.
Auch das sogenannte amtliche "Keulen" von völlig gesundem Nutzgeflügel ist übrigens eine barbarische und völlig überzogene Maßnahme, die nur den ökonomischen Interessen der Geflügelhalter dient. Die Tiere werden mit Strom getötet oder mit sogenannten "Einschläferungs-Maschinen" mit Kohlendioxid erstickt, was Todesangst erzeugt und etwa eine Minute Qual bedeutet.
Es wäre möglich, zu impfen, aber das würde dem Export schaden, weil die vom Tier gebildeten Antikörper denen der Vogelgrippe gleichen würden. Die Halter von gekeulten Tieren werden entsprechend entschädigt und können sich neues "Tiermaterial" zulegen. Neuen Auftrieb hat darüber hinaus auch die Lobby der Käfighalter bekommen. Drei Bundesländer haben beantragt, dass aufgrund der Vogelgrippegefahr die Käfighaltung über das Jahr 2006 hinaus gestattet werden soll und propagieren die sogenannte "Volierenlösung": Die Hühner hätten in diesen sogenannten Volieren genau um eine Postkartengröße mehr Platz als in den bisherigen Käfigen. Der Bundesrat hat dieser Maßnahme inzwischen zugestimmt. Jetzt warten wir gespannt auf die Entscheidung des Verbraucherschutzministeriums!

Wer sich dem Protest gegen "vorsorgliche Maßnahmen" wie die Massenkeulung oder den Abschuss von Katzen in Krisengebieten, sowie der sogenannten Volierenhaltung von Geflügel anschließen möchte, kann dies mit einer Mail an das Verbraucherschutzminister Horst Seehofer tun (http://www.bmelv.de)."

Verfasserin: Gabriele Kaisinger